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Dass eine Beeinträchtigung den Betroffenen nicht von Kultur und Arbeitsmarkt ausschließen muss, beweist Leonardo Geiger.

In seiner Freizeit spielt Leonardo Geiger gerne Schlagzeug, Becken und Trommel ist in der Ortsfeuerwehr aktiv und hilft im elterlichen Betrieb auch mal gerne als Koch oder Kellner aus. Was ihn von anderen musikbegeisterten Menschen unterscheidet? Der 16-Jährige wurde mit der Genmutation Trisomie 21 geboren und wird seit seiner Kindheit von Eltern, Freunden und Betreuern begleitet und gefördert.

Spezieller Unterricht

An der Schwelle zum Erwachsenenleben wollen auch Menschen, die das Downsyndrom haben, ihre Talente und Fähigkeiten einsetzen und weiterentwickeln. Aus diesem Grund absolvierte der junge Serfauser Ende Juni nun auch die erste Übertrittsprüfung an der Musikschule Landeck, das sogenannte „Bronzene“. Seit fünf Jahren spielt Leonardo nun schon auf Schlagzeug und Co. und wird auch seit Anbeginn von Instrumentallehrer Thomas Greil begleitet. Über eine spezielle Ausbildung verfügt der Pfundser dabei nicht wie er erklärt: „Mir wurde hier relativ freie Hand gelassen. Auch gab es so gesehen keinen Leistungsdruck für beide, aber natürlich wurde und wird Leonardo immer aufs Neue gefordert. So entwickelte ich für ihn eine spezielle Unterrichtsform, welche er auch versteht.“

Leidenschaft pur

Leonardo spielt hierbei nicht nach Noten, sondern nach Gehör. So spielt er auch schon mal Musikstücke, welche er gerade hört, aus dem Gedächtnis nach. Dreiviertel der Ausbildung wird dabei visuell mit verschiedenen Farben gearbeitet. Während der Corona Zeit wurde per Video- Austausch geprobt, hier war die Beharrlichkeit und Unterstützung der Eltern zu Hause das Um und Auf. „Wenn er Spaß an der Sache hat, dann merkt man das auch. Dann wird mit purer Leidenschaft gespielt. Auf der anderen Seite merkt man aber auch, wenn er nicht mag. Denn lügen gibt es bei Leonardo einfach nicht!“ schmunzelte Greil. So war die Übertrittsprüfung dann die nächste große Herausforderung für Leonardo und diese absolvierte er mit Bravour. „Die Prüfungskommission war auf jeden Fall von Leonardo begeistert. Wir wollen hier einfach zeigen, was diese Menschen leisten können!“ so der Instrumentallehrer abschließend.

„Je lauter, desto besser!“

Ganz stolz zeigte sich auch der Obmann der Musikkapelle Serfaus, Ulrich Thurnes: „Ich bin einfach fasziniert was Thomas mit diesem Burschen macht. Sobald es die Situation wieder zulässt, werden wir Leonardo natürlich wieder voll in der Musikkapelle einspannen!“ Seit zwei Jahren ist der 16-jährige nun schon Mitglied der Musikkapelle Serfaus und hat dort schon Auftritte beim Frühjahrskonzert sowie beim Jugendblasorchster „Jungvielharmonie“ absolviert.
Auf die Frage welches Instrument ihm nun am Besten gefällt, antwortete Leonardo: „Das Drumset ist das Lauteste, deshalb gefällt mir das am Besten!“ Und Vater Frederic ergänzte: „Für ihn ist das Instrument ein guter Ausgleich zum Alltag, damit kann er sich einfach perfekt abreagieren und runterkommen!“
Auch Ausbildungs- und Berufstechnisch hat Leonardo natürlich schon Pläne: Nächstes Schuljahr besucht er noch einmal die Polytechnische Lehranstalt Prutz/Ried und will dann anschließend eine Lehre als Koch, Kellner und Kinderbetreuer in Ladis absolvieren.