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Seit 15 Jahren gibt es die Anwaltschaft für Menschen mit Behinderung in der Steiermark. Seither sei viel erreicht worden, wurde am Dienstag Bilanz gezogen, steigende Arbeitslosenzahlen und fehlende Inklusion würden sich aber dennoch als große Herausforderungen abzeichnen.

Bei den Anliegen an die Anwaltschaft handelt es sich zum größten Teil um Fragen rund um das Behindertengesetz, Pflegegeld und finanzielle Angelegenheiten: „Die Menschen, die sich an uns wenden, kommen aus allen Lebensbereichen, sozialen Schichten und Altersgruppen. Daraus ergibt sich auch eine große Vielfalt der Problemstellungen, die an uns herangetragen werden“, sagt Siegfried Suppan, der sich seit 15 Jahren als Anwalt für Menschen mit Behinderung gemeinsam mit seinem Team für die Rechte und Interessen von Menschen mit Behinderung in der Steiermark einsetzt.

46 Punkte für eine bessere Behindertenpolitik

Die Anwaltschaft wurde 2004 eingerichtet und dient seit 2005 als Beratungsstelle. In dieser Zeit wurden insgesamt 46 Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Behindertenpolitik an das Land Steiermark herangetragen, 22 davon wurden auch umgesetzt, so Suppan, „wie zum Beispiel das persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen, eine Geldleistung, die ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit mit sich bringt“.

Zudem sei es gelungen, einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskommission zustande zu bringen, und auch das Landespflegeheim Schwanberg sei geschlossen worden, „und die Menschen, die dort in nicht adäquaten Wohnformen leben mussten, sind jetzt in klein strukturierten Angeboten, und können dort ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen“, so Suppan.

Schulische Inklusion und weitere Beratungsstellen

Dennoch gebe es noch viel zu tun, betont der Anwalt: „Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich die schulische Inklusion, da waren wir sehr lange Vorreiter in der Steiermark – diese Vorreiterrolle haben wir leider verloren. Das ist mir ein großes Anliegen, dass wir da wieder eine Umkehr erreichen und wieder mehr inklusiver Unterricht in der Steiermark möglich wird.“

„Wenn es auch immer wieder einer konsequenten Beharrlichkeit und eines langen Atems bedurfte, konnte doch Vieles erreicht werden“, so das Fazit von Suppan, der sich auch für die Realisierung von sechs regionalen Beratungsstellen in den steirischen Bezirken einsetzt.

Steigende Arbeitslosigkeit

Die steigende Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung sei ein weiterer wichtiger Punkt: Man würde derzeit einen verhältnismäßig großen Anstieg im Vergleich zu Allgemeinbevölkerung beobachten, so Suppan. Nicht unwesentlich für diesen Anstieg sei die Coronavirus-Pandemie: „Es ist mir wichtig zu sagen, Menschen mit Behinderung gehören nicht automatisch zur Risikogruppe. Was noch verbesserungswürdig ist, ist zum einen die Versorgung mit Schutzausrüstung in den Einrichtungen, wie auch für Personen, die mit Behinderung und Assistenz in der eigenen Wohnung wohnen.“ Zudem sollten Menschen mit Behinderung auch unmittelbar an der Erarbeitung von Strategien zur Krisenbewältigung beteiligt werden, fordert Suppan.

Quelle: orf.at