Direkt zum Inhalt

Deutschland – Ob Infos zu Anfragen zum barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer bis hin zum „Blindenradio“: Im neuen Bundesliga-Reiseführer der DFL Stiftung steht alles drin, was für Fans mit Behinderung beim Stadionbesuch wichtig ist.

Alle Fans, egal ob mit oder ohne Behinderung, sollen am Fußballerlebnis teilhaben können. Das ist das Ziel der DFL Stiftung und der 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga. Ein neuer Reiseführer der DFL Stiftung richtet sich insbesondere an Fans mit Behinderung und enthält Informationen zur barrierefreien An- und Abreise, zu jedem Stadion der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga, zu Ansprechpartnern und Sitzplätzen sowie Wissenswertes zum jeweiligen Spielort. Was Fans mit Behinderung zum Reiseführer sagen, zeigen vier Kurzfilme.

Dortmund: Teilhabe dank Gebärdensprachdolmetscherin

Dortmund, Südtribüne. Große Emotionen. Pascal, ganz in schwarz-gelb gekleidet umarmt seinen Sohn, ballt die Fäuste und jubelt überschwänglich. Gerade ist Borussia Dortmund in Führung gegangen. Gespannt blickt er nach vorn zu einer Frau. Das Ungewöhnliche daran: Anders als er steht sie mit dem Rücken zum Spielfeld. Und das ist auch gut so, denn sie ist Gebärdensprachdolmetscherin und zeigt ihm den soeben vom Stadionsprecher durchgesagten Torschützen an.

Pascal ist 30 Jahre alt und gehörlos – ebenso wie etwa 80.000 weitere Menschen in Deutschland. Seit seiner Kindheit ist er Fan von Borussia Dortmund. Heute steht er dem DEAF BVB Fanclub vor und sagt von sich selbst, sein Blut sei nicht rot, sondern schwarz-gelb.

Mit den Ohren „sehen“ in Dresden

Die Stimmung in Dresden ist gut: „Burnic läuft Richtung Strafraum, bringt den Ball zu Koné, der schießt und …Tooor für Dresden.“ Beinahe das gesamte Stadion springt auf und jubelt. Mittendrin auch Wolfgang. Er trägt einen Kopfhörer und im Gegensatz zu vielen anderen Fans hat er das Tor gehört, nicht gesehen. Dafür gesorgt haben zwei gut geschulte Blindenreporter der SG Dynamo Dresden.

Wolfgang ist seit 1967 begeisterter Dynamo-Anhänger. Die Spiele seines Herzensvereins besuchte er bereits vor seiner Erblindung regelmäßig. Dass seine Sehkraft immer mehr nachließ, war ein harter Schlag für ihn. Durch Zufall hörte er vom „Blindenradio“ und dachte sich „Das probiere ich mal aus“. Seitdem lauscht er bei jedem Heimspiel gebannt den Stimmen von Andre und Thomas, die beide seit sieben Jahren als Blindenreporter für die SG Dynamo Dresden im Einsatz sind.

Bielefeld: Mit der betreuten Wohngruppe ins Stadion

Im Wohnheim Oetinghauser Weg in Bielefeld steigt die Stimmung. Es ist Wochenende und Fußball ist angesagt. Tobias Dudeck, der hier als Heilerziehungspfleger unter anderem Menschen mit Down-Syndrom betreut, erklärt: „Fußball ist hier im Wohnheim allgemein ein großes Thema“. Um mit der Gruppe die Spiele des DSC Arminia Bielefeld besuchen zu können, kontaktiert er Jörg „Benno“ Winkelmann, den Behindertenfanbeauftragten der Bielefelder.

Als erster Fußballverein in den deutschen Profiligen hat der Club einen Bereich im Stadion errichtet, um Autisten einen problemlosen und fachgerechten Stadionbesuch anzubieten. Über der Nordtribüne der SchücoArena sind dafür aus zwei Panorama-Boxen ein Aufenthalts- und ein „Snoezelraum“ geworden, in denen pro Spieltag bis zu fünf Autisten das Geschehen auf dem Rasen unter professioneller Aufsicht verfolgen können.

Freie Sicht für Rollstuhlfahrer in der Allianz Arena

Um Fans einen barrierefreien Stadionbesuch zu gewährleisten, arbeitete der FC Bayern München beim Bau der Allianz Arena mit Vertretern des Rollwagerl e.V. zusammen. „Ich würde fast sagen, unsere Plätze sind besser als die VIP-Plätze“, erzählt Kim Krämer, während er im Aufenthaltsraum des Fanclubs Rollwagerl e.V. wartet. Gleich messen sich draußen auf dem Rasen der Allianz Arena der FC Bayern München und der 1. FC Köln. Kim ist Behindertenfanbeauftrager des Rekordmeisters, Vorsitzender des Fanclubs Rollwagerl e.V. und sitzt selbst im Rollstuhl.

Dass er mit seiner Aussage nicht geprahlt hat, zeigt sich wenig später beim Torjubel. Obwohl Fans direkt vor den Plätzen der Rollstuhlfahrer aufspringen, haben diese weiterhin beste Sicht auf das Spielfeld. Das weiß auch Miriam zu schätzen, die seit ihrer Geburt im Rollstuhl sitzt und seit fünf Jahren eines von über 900 Mitgliedern des Rollwagerl e.V. ist.

Quelle: sport.sky.de