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Die Qualität der neuen Durchsagen der Wiener Linien ist für visuell beeinträchtigte Menschen wenig zufriedenstellend. Auch die Quantität gibt Anlass zur Kritik: Die Durchsagen wurden stark verkürzt. Wichtige Zusatzinformationen, die für die Orientierung im öffentlichen Raum wichtig sind, wurden weggelassen. Diese Fahrgastgruppe ist aber auf korrekte und akustisch gut verständliche Ansagen angewiesen. Blinde und sehbeeinträchtigte Menschen sind – mangels
 Alternativen – von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig. Ihre Benutzung wird ihnen jedoch seit kurzem in Wien erschwert. Zu diesem Ergebnis kommt das Verkehrsgremium der Blinden- und
 Sehbehindertenorganisationen der Ostregion.

Zwei Sinne-Prinzip

Für Herbert Krames, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Wien, Niederösterreich und Burgenland, ist in diesem Zusammenhang auch die grundsätzliche Gleichbehandlung bei der
Informationsvermittlung wichtig: "Es gilt immer, das Zwei-Sinne-Prinzip zu beachten: Die angezeigten Texte und die akustischen Ansagen müssen gleich lauten." Somit darf es keine
Weglassungen in den Durchsagen geben, die für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen oft die ausschließlichen Anhaltspunkte darstellen.

Informationsbeschaffung

Die Wiener Linien verteidigen ihr neues "Klangmarketing", das nur noch die Ansage von Spitälern vorsieht, nicht aber Hinweise auf andere "Points of Interest", wie z. B. das Konzerthaus oder die
Arbeiterkammer. Laut deren Befragungen der Fahrgäste würden sich diese schon vor Fahrtantritt online informieren. Das sei auch bei visuell beeinträchtigten Menschen so, die angeblich oft besser informiert wären als Sehende – so die Wiener Linien.
Dem widerspricht Irene Vogel, Geschäftsführerin der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs: "Mehr als 30 Prozent unserer schwer sehbeeinträchtigten Mitglieder sind zwischen 80 und 90 Jahre alt. Diese Altersgruppe und auch etwas jüngere Personen nutzen keine Online-Informationen. Sie sind auf präzise Durchsagen und auf die Hinweise auf Ämter, Märkte oder Friedhöfe angewiesen. Dass unter anderem auch unser Beratungszentrum in der Jägerstraße in den Linien 5 und 33 nicht mehr angesagt wird, ist wenig hilfreich."
Die alten Durchsagen waren aber auch für Touristen, Nicht-Wiener oder Autofahrer, die nur gelegentlich U-Bahn, Bim und Bus nutzen, hilfreich. "International geht der Trend sogar hin zu mehr und häufigeren Informationen zu "Points of Interest"" zeigt sich auch Martin Oblak vom Verein Blickkontakt über diese Entscheidung verwundert. Bei den Wiener Linien geht man aber davon aus, dass ein Großteil der Fahrgäste über Fahrtroute und Örtlichkeiten genau informiert ist. Dagegen wehren sich die Interessenvertretungen blinder und sehbeeinträchtigter Verkehrsteilnehmer. Sie befürchten eine Beeinträchtigung der Mobilität der von ihnen vertretenen Menschen mit Beeinträchtigung.
(von OTS)