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Trotz der Tatsache, dass Menschen mit Beeinträchtigungen oft von Gewalt betroffen sind, wissen sie  kaum wohin sie sich wenden können. Selbst für Fachleute ist das Angebot unübersichtlich. Der runde Tisch "Unterstützungs- und Präventionsangebote für von Gewalt betroffene Menschen mit Behinderung" will Abhilfe schaffen. Bei der Auftakt Veranstaltung im Stuttgarter Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) wurde eine Umfrage unter Beratungsstellen beschlossen. Diese soll ergründen, wer was für wen anbietet. Dabei soll auch die Frage der Barrierefreiheit den Beratungsstellen ein Thema sein.
Frauen mit Behinderungen sind bislang unzureichend vor jeglicher Gewalt geschützt. Dies ist das Ergebnis einer neusten Studie. Für die Diplom-Psychologin Britta Schade vom ZsL Stuttgart war die Veröffentlichung dieser Studie Anlass, Menschen mit Behinderungen und Beratungsstellen zu einem runden Tisch zu laden: 
Die Resonanz auf die Veranstaltung war groß. Etwa 30 Teilnehmende zählte der erste runde Tisch des ZsL: Menschen mit Behinderungen, Fachleute aus Beratungsstellen und Kommunal- und Landespolitiker.
Selbst das beste Angebot einer Beratungsstelle nützt wenig, wenn es von Menschen mit Behinderung nicht zu erreichen ist. Deshalb wurde es als wichtiges Ziel am runden Tisch festgehalten, die Barrierefreiheit zu verbessern. Dabei geht es um alle Menschen mit Unterstützungsbedarf, um die Menschen im Rollstuhl, blinde oder hörgeschädigte Menschen wie auch Menschen mit einer Lernschwäche, heißt es in der Presseinformation. Was getan werden kann, wüssten Betroffene selbst am besten. Deshalb wurde angeregt, dass Kompetenzteams aus Menschen mit Behinderungen Beratungsstellen und andere Einrichtungen prüfen. "Oft lassen sich hier mit kleinen Veränderungen große Wirkungen erzielen", gab Marion Janke (ProFamilia) zu bedenken.
Ein zweites wichtiges Thema war die Vernetzung. Vielfach weiß nicht einmal die eine Beratungsstelle, was die andere genau tut. Betroffene können so schon gar keinen Überblick bekommen. Auch hier hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die erste Vorarbeiten in Angriff nehmen wird.
Die Teilnehmenden des runden Tisches "Unterstützungs- und Präventionsangebote für von Gewalt betroffene Menschen mit Behinderung" verabredeten einen Folgetermin für den Herbst. Wer an den offenen Arbeitsgruppen oder am runden Tisch selbst teilnehmen möchte, kann die genauen Termine über das ZsL, Telefon 0711/7801858, erfahren. Britta Schade wünscht sich insbesondere eine noch stärkere Teilnahme von Menschen mit Behinderungen: "Die Fachkunde von Betroffenen ist überhaupt nicht zu ersetzen. Deshalb setzen wir vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen auf eine umfassende Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen gemäß unserem Motto `nicht über uns ohne uns`.

(von kobinet-nachrichten.org, Artikel vom 29.07.2012)