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Neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom werden nach Pränataldiagnostik abgetrieben. Welche Folgen vorgeburtliche Untersuchungen für Menschen mit Beeinträchtigung und die gesamte Gesellschaft haben, damit setzt sich am 7. und 8. Juni eine internationale Ethik-Tagung in Berlin auseinander.
Für Ulla Schmidt, die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Deutschland und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, ist der hohe Anteil der Schwangerschaftsabbrüche besorgniserregend: „Wir leben heute in einer Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung so viele Teilhabemöglichkeiten bietet wie nie zuvor. Doch wird gleichzeitig mit immer feineren Methoden der Pränataldiagnostik regelrecht nach ihnen gefahndet. Das passt einfach nicht zusammen.“ Besonders problematisch ist dabei der neue Bluttest auf Down-Syndrom, er wird bei der Berliner Ethik-Tagung ein wichtiges Thema sein.
Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich und Dekan der Fakultät für Psychologie der Universität Wien: „Die Lebenshilfe Österreich fordert dazu seit langem eine breit angelegte öffentliche Debatte um die Kernfrage: Wie steht unsere Gesellschaft zu einem Leben mit Beeinträchtigung und zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe beeinträchtigter Menschen? Vorgeburtliche Untersuchungsmethoden wie PID oder Blut-Gentest tragen dazu bei, dass Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft weiter nur als Defizit gesehen und dadurch ausgegrenzt werden.
Die Lebenshilfe Österreich fordert auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention die Umsetzung der Inklusion, also die selbstverständliche Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigungen in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens.
Die deutsche Bundesvereinigung Lebenshilfe richtet die Tagung gemeinsam mit der Lebenshilfe Österreich, der Schweizer Elternselbsthilfeorganisation insieme sowie mit dem Berliner Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft aus. Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter Ethiker, Mediziner, Fachleute der Behindertenhilfe, Politiker und Menschen mit Beeinträchtigung. Der Berliner Schauspieler Sebastian Urbanski wird einen Vortrag darüber halten, wie er mit dem Down-Syndrom lebt. Er sagt:
„Ich leide nicht am Down-Syndrom. Ich bin für ein Miteinander, das alle einschließt.“
Weitere Informationen zum Programm der Ethik-Tagung finden unter imew.de.
Quelle: OTS
(von Lebenshilfe Österreich)