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In seiner heutigen Ausgabe berichtet derstandard.at von den ersten Tasterinnen, die zur Brustkrebs-Erkennung ausgebildet wurden.
Vier Frauen absolvierten eine 11-monatige Ausbildung, um "Auffälligkeiten in der Brust zu ertasten. Eine der Damen ist über 40 Jahre alt und hatte noch nie zuvor einen Job. Eine andere arbeitete als Beamtin, bis ihre schwächer werdende Sehkraft dies verunmöglichte. Die vier sind schwer sehbehindert oder blind. Im März erhalten sie offiziell ein Zertifikat, das bisher niemand in Österreich getragen hat: Sie werden medizinische Tastuntersucherinnen.
Das Projekt begann in Deutschland, wo der Gynäkologe Frank Hoffmann eine Optimierung der Tastuntersuchung zur Brustkrebs-Früherkennung suchte und auf die Idee kam, blinde Frauen, deren Tastsinn oft viel sensibler ist, dafür nach einer standardisierten Methode auszubilden. Zu diesem Zweck gründete er das Sozialunternehmen Discovering Hands. Die Tastausbildung soll Frauen mit Sehbehinderung ermöglichen, im regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – was für Menschen mit Behinderung zuletzt immer schwieriger wurde."
"Aus einer Behinderung wird eine Begabung", meint die Geschäftsführerin von Discovering Hands, Annette Hkimi-Blaschke. "Zugleich haben die Untersuchten etwas davon, wenn ein Knoten früher erkannt wird. Die Tastmethode sei als Ergänzung zu den bildgebenden Verfahren und der Untersuchung von Gynäkologen gedacht – zum Beispiel für Frauen, die zwischen zwei Mammografie-Terminen einen weiteren Check wünschen.
Im Lauf des ersten Halbjahrs 2016 soll in Wien eine Pilotphase starten, in deren Rahmen die Frauen in Arztpraxen und einem Röntgeninstitut arbeiten – und mittels Abgleich bildgebender Verfahren untersucht wird, wie groß (oder klein) die Gewebeveränderungen sind, die sie finden. Die Frauen werden bei Discovering Hands Österreich angestellt. Die Untersuchung dauert zwischen 30 und 45 Minuten und soll, nach der Pilotphase, 80 Euro kosten – inklusive ärztlicher Leistung, denn eine Diagnose darf nur der Arzt stellen.
Drei weitere in Ausbildung Die Ausbildung inklusive Praktikum wurde vom Sozialministeriumservice, dem AMS und der Pensionsversicherungsanstalt finanziert. Heuer sollen sie drei weitere Frauen absolvieren. Dabei wird ihre kommunikative Kompetenz geschult, aber vor allem das Tasten, unter anderem mithilfe spezieller Matten, auf denen sich ein Raster befindet. Dieses Raster stellen die Tasterinnen dann auch bei Patientinnen mittels Klebestreifen her. Es ermöglicht ihnen, Gewebeveränderungen zu orten und deren Lage weiterzugeben. So kann der Arzt nachvollziehen, wo etwas entdeckt wurde."
(Quelle: derstandard.at/2000031729495/Blinde-Tasterinnen-Von-Behinderung-zu-Begabung-und-Beschaeftigung, Artikel vom 25. Februar 2016)
(von KI-I)