Tag der Behinderung

Gabriele Weber und Christian Pani sitzen beide im Rollstuhl - im Hintergrund steht ein Auto
Gabriele Weber und Christian Pani
Der Denk-Zettel sieht aus wie ein Strafzettel, mit dem Text "Sie stehen auf meinem Parkplatz"
Der Denk-Zettel

Stadtverkehr, Stau, vergebliche Parkplatzsuche. Christian Pani quält sich durch das alltägliche Verkehrsgetümmel auf der Suche nach einem Parkplatz. Doch wie so oft ist 'sein' Parkplatz verstellt; verparkt von jemand, der "eh nur auf einen Sprung weg" war. Trauriger Alltag für den 41-jährigen Rollstuhlfahrer. Am Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterinternationalen Tag der Behinderung (3.12.) soll auf diesen österreichweiten Missstand, der kein Kavaliersdelikt ist, aufmerksam gemacht werden.

Behindertenparkplätze sind für Personen vorgesehen, die eine dauerhafte Gehbehinderung haben. Um auf einem solchen Parkplatz sein Auto abstellen zu dürfen, ist ein spezieller Ausweis nach Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster§ 29b StVO erforderlich, der bei der Bezirkshauptmannschaft bzw. beim zuständigen Magistrat angefordert werden kann.

Ein Fünftel verparkt durch Nichtberechtigte

Eine Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterStichprobe der Grazer Sozialstadträtin Elke Edlinger und Alice Geiger, der Beauftragten für Behindertenfragen der Stadt Graz im Frühjahr 2009 ergab, dass jedoch etwa ein Fünftel der überprüften Stellplätze von Personen ohne Parkberechtigung verparkt wurden.

Eine Situation, die sowohl Mosaik Buchhalter Christian Pani als auch seine Arbeitskollegin Gabriele Weber, ebenfalls Rollstuhlfahrerin, aus ihrem Alltag bestätigen können. "Es passiert mir quasi täglich, dass Behindertenparkplätze verstellt sind. Spricht man die Leute dann darauf an, gibt es oft nur halbherzige Entschuldigungen. Ein nachhaltig schlechtes Gewissen hat glaube ich kaum jemand", seufzt Gabriele Weber, Angestellte des Mosaik Ambulatoriums in Graz.

Schwarze Schafe

Christian Pani ärgert sich vor allem über jene Menschen, die zwar einen Ausweis mithaben, diesen aber offensichtlich von einem/einer Angehörigen oder Bekannten mit Mobilitätseinschränkung ausgeborgt haben: "Es ist mir schon öfter passiert, dass ein Mensch flotten Schrittes aus dem Auto gehüpft ist und gleichzeitig einen Behindertenausweis hinter die Scheibe legte. Ich verstehe einfach nicht, warum Menschen, die selber eine/n Angehörige/n mit Behinderung in der Familie haben, sich so egoistisch verhalten können. Wenn man die Leute darauf anspricht erhält man meist nur außerordentlich patzige Antworten."

Neben den willkürlich verstellten Parkplätzen ist auch das zu knappe Einparken ein großes Problem. Parkplätze für Menschen mit Behinderung sind extra breiter konzipiert, um ein Ausladen und Zusammenbauen eines Rollstuhles zu ermöglichen. Sind mehrere Behindertenparkplätze nebeneinander, lädt dieser vermeintliche "freie Parkplatz" offenbar andere VerkehrsteilnehmerInnen dazu ein, ihr Auto oder Zweirad dazwischen einzuparken.

"Man kommt sich vor wie eine Bittstellerin"

"Manchmal war es schon notwendig, dass ich nach einer längeren Wartezeit jemand Fremden, der zufällig vorbeigekommen ist, bitten musste, mir mein Auto auszuparken, damit ich einsteigen konnte. Das ist keine besonders angenehme Situation", erzählt Gabriele Weber.

Selbstverständlich kann so ein Parkvergehen auch rechtliche Konsequenzen haben, wie Andrea Staber, Leiterin der Mosaik Beratungsstelle "Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDie Bunte Rampe" weiß: "Wer einen öffentlichen Behindertenparkplatz verstellt muss mit Strafen bis etwa 700 Euro rechnen. Wird auf einem Privatgrund, wie z.B. bei einem Geschäft, ein Behindertenparkplatz widerrechtlich verparkt, kann die Geschäftsleitung sogar eine Besitzstörungsklage einreichen."

Appell an die Zivilcourage

Die Behindertenpädagogin appelliert an die Zivilcourage jedes/jeder einzelnen: "Sprechen Sie Leute an, die offensichtlich unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz stehen. Wer wegschaut diskriminiert Menschen mit Mobilitätseinschränkung!"

Die Bunte Rampe hat diesbezüglich Initiative gezeigt und einen "Denk-Zettel" entwickelt, der den FalschparkerInnen hinter die Scheibe geklemmt werden kann. "Der Denk-Zettel sieht auf den ersten Blick aus wie ein Strafzettel. Innen findet sich dann der Spruch: 'Sie stehen auf meinem Parkplatz - wollen Sie auch meine Behinderung?' Die VerkehrssünderInnen sollen ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen und es sich beim nächsten Mal zweimal überlegen, wo sie sich hinparken", macht Andrea Staber deutlich.

Mobilitätseinschränkungen können jede/n treffen!

"Es wird niemand ein Zacken aus der Krone brechen, wenn er oder sie einmal ein paar Meter weiter gehen muss. Kein Mensch ist davor gefeit, von einem Tag auf den anderen plötzlich selber mit dem Thema Mobilitätseinschränkung konfrontiert zu werden", mahnt Christian Pani abschließend.

Die Denk-Zettel kann man in der Bunten Rampe unter
Telefon 0316/68 65 15 DW 20 oder DW 25
bzw. unter Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailstaber@mosaik-gmbh.org anfordern.

Hier finden Sie das Foto in hoher Auflösung zum Download: Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterPressefoto zum Download

(Text und Foto (c): Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterMosaik GmbH)